Nächster Halt: Electronic City. Wenn wir da nicht schon längst angekommen sind, wenn wir nicht schon längst hier sind.

Ankommen, arbeiten, herumirren, schlucken, connecten, chatten, rhythmisieren, resignieren, bewegen, vegetieren, duschen, abwarten, nummerieren, aufbrechen ohne Aufbruchsstimmung

Funktionieren, funktionieren, funktionieren!


Premiere am 24. Mai, 19:30h
Weitere Vorstellungen: Samstag,  27. Mai 2017, 19:30h | Montag 29. Mai 2017, 19:30h | Dienstag 30. Mai 2017, 19:30h
Vidmar 2 (Wegbeschreibung)
Ab 12 Jahren
Deutsch


Wir begegnen im Stück Tom und Joy, die beide für ihre Arbeiten viel herumreisen müssen und doch nirgends ankommen. Nähe zueinander erfahren sie, wenn überhaupt, nur durch das Smartphone. Es ist ein kläglicher Versuch, mit elektronischen Hilfsmitteln eine Nähe aufzubauen, wo die physische Distanz dominiert und gerade auch durch die elektronischen Hilfsmittel ein psychischer Abstand geschaffen wird.

Falk Richters Text hat Tempo und einen eigenwilligen Rhythmus, den wir mit grossem körperlichem Einsatz auf die Bühne bringen. Bei den Probearbeiten wird daher herumgeirrt und -gesprungen, gejoggt oder Sit-ups gemacht.

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Der Text zeigt die heutige Unfähigkeit zum Dialog, darum gibt es kaum direkte Gespräche im Stück. Das macht es enorm spannend zum Spielen: Wir sind alle einsam, jedoch: Wir sind gemeinsam einsam, reden gemeinsam einsam oder singen gemeinsam einsam falsch und beobachten gemeinsam einsam jemanden, der einsam einsam versucht, sich an seinen Zahlencode zu erinnern. Wie heisst es so schön im Stück, „Irgendetwas Totes liegt neben mir, und ich glaube, ja, ich glaube, das bin ich selbst.“ Wir sterben also auch alle irgendwie gemeinsam einsam, was irgendwie etwas sehr Beruhigendes hat. Dass wir das Stück durch eigene Texte erweitern dürfen, ist eine grosse und anspruchsvolle Aufgabe. Daher wird bei uns auch immer viel geschrieben, diskutiert und philosophiert. Und wenn sich das Ganze wie eine Selbsthilfegruppe anfühlt, so weiss man, dass einem das Thema nicht kalt lässt. Das obligate Feierabendbier nach der Probe hilft gegen dieses Gefühl.

Electronic City ist „Ein Aufruf, sich sofort zu verlieben oder sich zu erschiessen“, wie unser Regisseur Andreas Schmidhauser einmal sagte. Welche Option bei diesem Szenario hier wirklich die bessere ist, bleibt fraglich. Umso wichtiger, sich selbst ein Bild davon zu machen.

Dieser Blogeintrag wurde von Jan Marc Müller, Spieler des Jugendclubs, geschrieben.