Während Goethes Faust zum Standardwerk der deutschen Literatur wurde, hat der französische Komponist Charles Gounod mit seiner Bearbeitung des Stoffes einen Meilenstein der Operngeschichte geschaffen. Konzert Theater Bern zeigt das Werk in einer neuen Inszenierung von Nigel Lowery, der in Bern bereits mit Mozarts Die Zauberflöte, die kürzlich Wiederaufnahme feierte, sowie mit Rossinis L’Occasione fa il ladro grosse Erfolge feierte. Ein packender und berührender Abend ist bei dieser Kombination garantiert!


Premiere am 29. Januar 2017, 18:00h
Dauer: ca. 3 Stunden, plus Pause
Französisch mit deutschen Übertiteln
Stadttheater (Wegbeschreibung)
Ab 14 Jahren
Schulklassentarife: 15.–/Person (Weitere Infos)
Für Einführungsworkshops: vermittlung@konzerttheaterbern.ch


Personen

Doktor Faustein Philosoph (Tenor) | Uwe Stickert

Méphistophélèsder Teufel (Bass) | Kai Wegner

Margueriteeine junge Frau (Sopran) | Evgenia Grekova

Valentinein Soldat, Marguerites Bruder (Bariton) | Todd Boyce

Wagnerein Freund von Valentin (Bariton) | Carl Rumstadt

Siébelein Student von Faust (Sopran) | Eleonora Vacchi

MartheMarguerites Wächterin (Sopran) | Claude Eichenberger


Handlung

Die folgende Zusammenfassung folgt dem Libretto des Werkes. Informationen zu der Inszenierung von Konzert Theater Bern folgen nach der Premiere.

1. Akt

Im Studierzimmer.

Doktor Faust sitzt niedergeschlagen in seinem Studierzimmer. Sein ganzes Leben lang versuchte er durch die Aneignung von Wissen Erfüllung zu erlangen, doch es will ihm einfach nicht gelingen. Nichts kann seinen Wissensdurst stillen. Deprimiert von dieser Erkenntnis beschliesst er, seinem Leben ein Ende zu setzen. Zweimal wird er durch einen Chor aus dem Hintergrund am Trinken eines Gifttranks gehindert, weshalb er sich von Gott verlassen fühlt und nach Satan ruft. Prompt erscheint Méphistophélès und verheisst Faust Ruhm und Reichtum. Dieser begehrt jedoch stattdessen Jugend und Liebe. Da verspricht der Teufel ihm Jugend im Diesseits, gegen Fausts Seele im Jenseits. Auf Fausts Zögern hin zeigt ihm Méphistophélès ein Bild von Marguerite, das den Doktor so anzieht, dass er den Pakt sogleich unterschreibt.

2. Akt

Ein Volksfest vor der Stadt.

Valentin wurde ins Militär einberufen und übergibt seine Schwester Marguerite in die Obhut seiner Freunde Wagner und Siébel. Wagner stimmt zur Aufheiterung ein frohes Lied an. Da erscheint plötzlich Méphistophélès und unterbricht Wagner mit dem Lied vom goldenen Kalb, in das die ganze Gesellschaft einstimmt. Valentin stürzt sich mit seiner Waffe auf den Spötter, doch diese zerbricht noch in der Luft. Nur der kreuzförmige Griff des Schwertes vermag den Teufel zurückzudrängen. Allein auf der Bühne zurückgelassen, stösst nun Faust mit einer Gruppe tanzender Dorfbewohner zu Méphistophélès hinzu. Aus der Gruppe löst sich Marguerite und Faust bietet ihr sogleich seinen Arm an, den diese jedoch ablehnt.

3. Akt

Marguerites Garten.

Siébel ist verliebt in Marguerite und hinterlässt ihr einen Blumenstrauss. Dann erscheinen Faust und Méphistophélès. Während Faust sich verträumt in Marguerites Garten umsieht, hinterlegt der Teufel ein Kästchen mit Juwelen als Geschenk des Doktors an das Mädchen. Diese entdeckt das Juwelenkästchen nach ihrer Rückkehr und lässt sich von Marthe sagen, dass es sich dabei wohl um das Geschenk eines Verehrers handeln muss. Nun stossen die beiden Herren dazu und während Méphistophélès sich belustigt mit Marthe vergnügt, unterhalten sich Marguerite und Faust. Zwar versprechen sich die beiden, sich am nächsten Tag wiederzusehen, doch Faust wird von Méphistophélès daran gehindert, heimzukehren und lauscht stattdessen an Marguerites Fenster, wo er Zeuge einer Liebeserklärung wird. Von dieser Tatsache erfreut, gibt sich Faust zu erkennen und die beiden fallen sich in die Arme.

4. Akt

Marguerites Zimmer.

Marguerite hat Faust ein Kind geboren, wurde aber mittlerweile vom ihm verlassen. Enttäuscht sitzt sie in ihrem Zimmer, spinnt und singt, als Siébel zu ihr tritt und sie aufzumuntern versucht. Valentin ist von seinem Einsatz in der Armee zurückgekehrt und besucht seine Schwester, wo er von ihrem Schicksal erfährt. Während er aus Rachegelüsten den Namen des Abtrünnigen erfragt, ist dieser aus Reue zurückgekehrt und lauscht am Fenster. Durch das Aufeinandertreffen der beiden entbrennt ein heftiger Kampf, in dem Valentin tödlich verwundet wird.

5. Akt

Walpurgisnacht.

Faust und Méphistophélès nehmen an einem rauschenden Fest zur Walpurgisnacht teil, als Faust in einer Vision Marguerite sieht, wie sie im Kerker auf ihre Gerichtsverhandlung wegen Kindsmord wartet. Faust verlangt von Méphistophélès, zu ihr gebracht zu werden.

Im Kerker.

Marguerite liegt gequält am Boden des Kerkers, begrüsst Faust aber dennoch freudig. Sie erinnern sich der schönen gemeinsamen Tage und ihrer Liebe, doch Marguerite kann Faust nicht mehr folgen. Sie sinkt tot zu Boden, doch Méphistophélès‘ „Gerichtet!“ beantwortet ein himmlischer Chor mit „Gerettet!“.


Charles Gounod (1818–1893)charles_gounod_001

Charles Gounod ist nicht nur der Komponist von einigen bekannten Opern, sondern auch des wahrscheinlich beliebtesten klassischen Musikstücks überhaupt. Doch dazu später mehr.

Geboren wurde Gounod in Paris, wo er auch Komposition studierte. Gleich nach seinem Studium gewann er den sogenannten Prix de Rome, ein Stipendium, das es dem Musiker ermöglichte, einige Jahre umsonst in Rom zu leben und zu komponieren. Dort las er auch zum ersten Mal Goethes Faust in einer Übersetzung des neunzehnjährigen Gérard de Nerval. Es dauerte allerdings noch einige Jahre, bis er auf die Librettisten Barbier und Carré traf, die ihm auf der Grundlage ihres Theaterstücks Faust et Marguerite ein Libretto verfassten. Dieses enthält einige Änderungen gegenüber Goethes Vorlage. Zum Beispiel wurden die Rollen von Valentin und Siébel vergrössert sowie einige Elemente hinzugefügt: Valentins Tod, die Walpurgisnacht und der Kerker.

Uraufführung und Erfolg

Unmittelbar nach Fertigstellung der Partitur wurde das Werk in Paris einstudiert. Allerdings zeichnete sich kurz vor der Premiere ab, dass der Sänger, der für Faust vorgesehen war, mit der Rolle nicht zurechtkam. Ein anderer Sänger musste also kurzfristig einspringen und dieser lernte die ganze Oper in nur drei Wochen singen und spielen. So konnte die Uraufführung dann doch wie geplant am 19. März 1859 stattfinden.

Das Werk wurde ein Riesenerfolg und in den nächsten Jahren zuerst überall in Frankreich und schliesslich auch im Rest von Europa regelmässig gespielt. Alleine in der Pariser Oper wurde das Werk über 2500 mal aufgeführt! 1883 war es das Eröffnungswerk der Metropolitan Opera in New York – heute die grösste und eine der renommiertesten Opern weltweit.

Ave Maria

Gounod war nicht nur Opernkomponist sondern schrieb auch, weil er sehr religiös war, viel Musik für die Kirche. Für ein kleines Stück verwendete er eine Klavierkomposition von Johann Sebastian Bach und fügte eine Melodie hinzu. Dieses Stück – heute unter dem Titel Ave Maria bekannt – ist wohl heute das bekannteste Werk der klassischen Musik. Hier könnt ihr euch das Stück anhören. Kommt es euch bekannt vor?

 


Die Musik

Die Musik, die Gounod für Faust komponiert, war für seine Zeit ziemlich gewagt. Das zeigt sich bereits in der Ouvertüre. Anstatt die Handlung der Oper musikalisch vorwegzunehmen, wie es in damaligen Opern üblich war, veranschaulicht die Eingangsmusik das Dilemma, in dem Faust zu Beginn der Oper steckt.

 


Quellen:

Anselm Gerhard: Klassischer als der Klassiker?, in Programmheft zur Neuinszenierung Faust, Zürich 2015.
Steven Huebner: Art. „Faust“ in Grove Music Online, Zugriff vom 4.1.2017.
Steven Huebner: Art. „Gounod, Charles-François“ in Grove Music Online, Zugriff vom 4.1.2017.