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Hans Christoph Bünger ist Studienleiter am Konzert Theater Bern und dirigiert in dieser Saison die Zauberflöte für Kinder. Sofort war er bereit, uns ein Interview zu seiner Arbeit zu geben. Hans Christoph, du dirigierst die Zauberflöte für Kinder. Welches Stück daraus gefällt dir am Besten?

HC: Eigentlich habe ich kein Lieblingsstück – oder vielleicht doch, die Arie von Monostatos, „du feines Täubchen nur herein“, die gefällt mir ganz besonders gut.

Hast du eine Lieblingsfigur?

HC: Die ändert eigentlich immer mal wieder. Während der Arbeit an der Musik in den letzten Monaten gefällt mir der Sarastro immer besser. Vor allem in seiner Arie „O Isis und Osiris“, da strahlt er eine richtige Wärme und Grosszügigkeit aus.

Gefällt dir die Zauberflöte?

HC: Die Zauberflöte begleitet mich schon sehr lange, vor allem Während meines Studiums habe ich sie rauf und runter gehört. Dann lange nicht mehr, jetzt habe ich etwas Distanz dazu. Die Musik gefällt mir sehr gut. Es gibt die beiden unterschiedlichen Paare in der Geschichte, das etwas verrückte Paar Papagena und Papageno und das ernsthaftere, vielleicht sogar strebsamere Paar Tamino und Pamina. Diese Unterschiedlichkeiten kann man auch in den Stücken, die sie singen hören und das gefällt mir gut.  

Gibt es etwas, was dir nicht so gefällt an der Zauberflöte?

HC: Ich finde, dass die Geschichte sehr verwirrend ist. Es passieren so viele unterschiedliche Sachen und manchmal weiss man gar nicht mehr um was es eigentlich geht! Es ist auch nicht immer klar, wer zu wem gehört, wer zu wem hält, wer wen unterstützt. Das ist in der Zauberflöte nicht sehr einfach zu beantworten.

Wolltest du schon immer Dirigent werden?

HC: Eigentlich wollte ich zuerst Kirchenmusiker werden. Ich habe in Lübeck, das ist im Norden von Deutschland, Kirchenmusik studiert. Schon früh in meinem Studium wurde ich angefragt ob ich in einer Produktion assistieren würde. Dort musste ich dann ganz unterschiedliche Sachen machen, vom Licht bis hin zur Bühnentechnik. Das war meine erste Opernproduktion, danach war ich gebissen. Die Oper hat mich vollkommen gepackt und ab da wusste ich ganz genau, was ich wollte!

Was musstest du für eine Ausbildung machen, damit du nun die Zauberflöte dirigieren kannst?

HC: Wie ich schon gesagt habe, habe ich zuerst Kirchenmusik studiert. Da musste ich Orgel und Cembalo lernen, aber auch Singen und erste Schritte im Dirigiere machen. Nach dem Kirchenmusikstudium habe ich dann ein Dirigierstudium angefangen, aus dem ich dann direkt an ein Opernhaus gehen konnte, um zu arbeiten.

Hast du ein Vorbild?

HC: Meinst du einen Dirigenten?

Ja.

HC: Also, nicht, was die Art zu dirigieren selber angeht. Ich versuche beim Dirigieren einfachso wie ich zu dirigieren und will nicht andere kopieren. Was ich aber spannend finde ist, bei anderen Dirigenten zu beobachten, wie sie es schaffen, das ganze Orchester zu packen und die richtige Energie zu schaffen. Dann spürt man manchmal ein richtiges Knistern. Ich finde, wenn ein Dirigent es schafft, die richtige Energie rüber zu bringen, dann hört man das sogar auf einer CD.

Warst du gut in der Schule?

HC: Nein eigentlich nicht. Ich war ein absoluter Durchschnittsschüler. Ich war in keinem Fach richtig gut und auch nicht richtig schlecht. Erst als ich mit der Musik angefangen habe, da merkte ich, dass es etwas gibt, worin ich gut werden könnte. Während meines Studiums war ich dann erfolgreicher.