Eine Heimsuchung in vier bis unendlich vielen Akten

Jürg Halters erster Text für das Theater entführt in bisher unbekanntes Gebiet. Vier verschiedene Stimmen umkreisen Fragen der Sehnsucht nach einem Zuhause und lassen sich von einem grünen Teppich ins Paradies führen. In mindestens vier Akten treiben diese Figuren durch die Dramen von Verführung, Freiheit, Unterwerfung und Erlösung. Suchende, Verlorene im Grenzgebiet zwischen Vernunft und Wahnsinn. Eine bitterernste Groteske.


Premiere am 10.September 2016, 19:30h
Vidmar 2 (Wegbeschreibung)
Ab 16 Jahren
Deutsch
Schulklassentarife: 10.-/Person (Weitere Infos)
Für Einführungsworkshops: vermittlung@konzerttheaterbern.ch


Im Rahmen der Schweizer Autorenreihe startet die Spielzeit mit Mondkreisläufer. Der Titel ist Programm. Doch was bitteschön steckt dahinter?

Ein Mondkreisläufer ist ein unsterblicher Mensch, ein Unerlöster, ein Verdammter. Kaum gestorben, findet er sich schon wieder in einem Mutterbauch. Solange er seine erste Mutter nicht finden kann, kommt er wahrscheinlich nicht zur Ruhe. (Halter)

Das Stück stellt sich den grundlegenden Fragen nach Freiheit, Fremdbestimmung und Zugehörigkeit und danach, wie sich diese Gestalten dazu verhalten. In den vier Akten geistern die Darsteller über die Bühne. Weder völlig tot, noch ganz lebendig reagieren sie auf die Stimmen in ihrem Körper. Hinter Mondkreisläufer steckt jedoch viel mehr als die Sinnreise wiedergeborener Halbtoter auf einem Selbstfindungstrip. „Das Stück ist wie ein langes Gedicht“ meint Cihan Inan, der Regie führt und mit Halter gemeinsam das Konzept erstellte. Es ist ein Text in Bewegung, in dem als Kollektiv ein Raum zwischen Bühne und Himmel beschworen und beschrieben wird. Im wahrsten Sinn des Wortes folgt das Publikum den entstehenden Gedanken auf der Bühne und wird somit Teil eines intensiven, unmittelbaren, gewitzten und wortgewandten Theatervergnügens.

Stellen Sie sich vor, wir würden sagen: Bitte, nehmen Sie zur Kenntnis, dies ist eine geschlossene Veranstaltung, niemand ist befugt den Raum zu verlassen, die Türen sind geschlossen, auch die Notausgänge können nicht mehr benützt werden, bleiben Sie ruhig auf Ihren Plätzen. Dies ist kein Grund zur Beunruhigung. Eine Handlung Ihrerseits wird nicht verlangt. Keine Angst, nichts wird passieren, es ist bereits passiert. Das Drama liegt hinter uns.
(Auszug aus Jürg Halters Mondkreisläufer)

Vier Figuren, die sich befragen, widersprechen, verhören, ergänzen und annähern. Form und Inhalt befruchten sich gegenseitig. Der Autor stand dem KTB Rede und Antwort:

 

Du sagtest als Rapper Kutti MC mal folgendes: „Vom Mond us betrachet, chönnt mä so fragä: Was spilä die dert unge fürnes absurds Theater?“ Machst du jetzt also mit deinem ersten Theatertext Theater im Theater?

Halter: Gutes Theater denkt immer ein Stück weit über Theater nach. Und so lange das beiläufig und nicht akademisch verkopft und selbstgefällig geschieht, finde ich das auch notwendig. Ich gehe ins Theater, um neue Sichtweisen kennen zu lernen, ich gehe nicht ins Theater, um oberflächlich bestätigt zu werden, also um oberflächlich befriedigt zu werden. Das Stück zeigt, dass Theater eben mehr ist als ein paar Figuren, die eine runde Geschichte erzählen oder Theater, das sich selbst diskursiv als Theater abfeiert. Das Stück zeigt, dass sich Figuren und Geschichte auflösen können und plötzlich sind nur noch Stimmen zu hören, und man sitzt alleine in einem sich auflösenden Raum.

Mondkreisläufer wird als Uraufführung zu sehen sein. Als lyrisch begabtes Chamäleon erklärte uns der Allrounder, wie es dazu kam:

Alles was du tust, findet auf einer Bühne vor Publikum statt. Brauchst du den Kick?

Halter: Nein, ich habe neben meinen Auftritten schon immer Bücher, Essays und Kolumnen publiziert. Ich liebe es auf der Bühne zu stehen, mit anderen und alleine, aber ich bin kein Schauspieler, ich bin als Performer beschränkt, deshalb ist irgendwann der Wunsch entstanden, einen Text für Schauspieler, für andere Stimmen als mich selbst zu schreiben und so ist’s zum „Mondkreisläufer“ gekommen.

Du wechselst das Genre wie andere die Unterwäsche. Vom Dichter über den Rapper und den Talkmaster zum Theaterautor. Bist du unterfordert?

Halter: Ich habe einfach viele Interessen und Ideen. Mein Medium ist die Sprache und sie interessiert mich in ihrer Ganzheit. Mein Wirken dient keinem Plan, ich folge meinem Instinkt. Solange ich kreativ nicht impotent bin, werde ich mich wandeln und muss nicht dem Vorbild vieler anderer Künstler folgen, die nur eine Idee haben, und diese dann jahrelang bewirtschaften, aus versteckter verzweifelter Ideenlosigkeit oder noch schlimmer, aus künstlerischer Mutlosigkeit. Obwohl das aber eigentlich prima funktionieren würde, denn ein grosser Teil des Publikums will von „ihren“ Künstlern nur das sehen, was es schon kennt. Dem verweigere ich mich bis jetzt durchaus erfolgreich.

 

Besetzung:

Inszenierungskonzept: Jürg Halter & Cihan Inan

Regie & Bühne: Cihan Inan

Kostüme: Anouk Bonsma

Dramaturgie: Elisabeth Caesar

mit Milva Stark, Irina Wrona, Nico Delpy, Gabriel Schneider

 

Termine:

Premiere am Sa. 10. Sep. 2016 in der Vidmar 2

Mi, 14. Sep 2016, anschliessend Publikumsgespräch mit dem Autoren

Do, 22. Sep 2016

Mi, 28. Sep 2016

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