Man stelle sich vor, Odysseus, der listige Seefahrer, der Jahrzehnte auf dem Meer unterwegs war, ist fernab von seiner Heimat, seiner Frau Penelope und seinen Kindern. Die Zurückgebliebenen führen ein Leben in Abwesenheit des Machthabers von Ithaka. Abseits von allen spektakulären Abenteuern, die Odysseus auf seinen Irrfahrten erlebt, zeigt die neue Produktion von Regisseur Elmar Goerden am Konzert Theater Bern wie das Leben, Warten und Heimkehren erlebt werden kann und stellt sich dabei viele spannende Fragen. Was für eine Penelope verbirgt sich hinter diesem griechischen Mythos? Wie reagiert sie auf die Umstände ihres Schicksals? Mit was lenkt sie sich ab? Wie geht man damit um, wenn er zurück kommt – der grosse Odysseus? Welche Gefühle stauen sich da auf und entladen sich bei der erwarteten Rückkehr des Ehemanns? In Goerdens Inszenierung stellt sich Penelope der komischen und aussergewöhnlichen Situation, den Heimkehrer nach 20 Jahren wiederzusehen und ihm gegenüberzustehen.

Penelope: Und du? Was fragt man so nach zwanzig Jahren?

(Auszug aus Elmar Goerdes Penelope)


Premiere am 25. Februar 2017, 19:30h
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Ab 14 Jahren
Schulklassentarife: 15.–/Person (Weitere Infos)
Für Einführungsworkshops: vermittlung@konzerttheaterbern.ch


 

Sohn: Es ist Dein Haus.

Penelope: Es ist sein Haus. Und es wäre schön, wenn es das bliebe.

Sohn: Keine Sorge, alles bleibt, wie es ist.

Penelope: Alles bleibt, wie es war.

(Auszug aus Elmar Goerdes Penelope)

 

Wer glaubt, dass es sich hier nur um alte griechische Sagen handelt, der hat sich geirrt. Goerden modernisiert den Stoff nach Motiven aus Homers Odyssee und schrieb eine eigene Familiengeschichte rund um Penelope, indem er sie abseits der Heldensagen ihres berühmten Mannes in den Mittelpunkt einer heutigen Gesellschaft rückt. Erweitert durch eine Tochter erlebt man einen Einblick ins Familienleben von Mutter, Tochter und Sohn, der nah an dem Leben und den zwischenmenschlichen Situationen ist, die wir alle doch so gut aus unseren eigenen Leben kennen.
Frei nach dem Motto „nur weil etwas nicht explizit erwähnt wurde, heisst es nicht, dass es nie passiert ist“, inszeniert Goerden ein Stück, das als Uraufführung am Konzert Theater Bern zu sehen sein wird. Goerden schafft  damit einen ganz neue Geschichte, die sich fragt, was zwischen den Zeilen des Heldenepos passiert oder anders gefragt: Wie könnte das Leben von Penelope und ihren beiden Kindern aussehen? Welche Gefühle, Situationen und Szenen lassen sich dabei entdecken?

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In Homers Beschreibung der Penelope webt sie tagsüber das Leichentuch für ihren Schwiegervater, um gegenüber allen Freiern einen Vorwand zu haben, dass sie beschäftigt sei. Allerdings trennt sie es nachts wieder auf, bis sie dabei erwischt wird.

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Im Gegensatz zur antiken Beschreibung inszeniert Goerden eine junge, moderne Penelope, die genauso gut eine von vielen Müttern und Ehefrauen unserer Zeit sein könnte. Sie hat mit pubertierenden Teenagern zu tun und entwickelt ihre ganz eigene Art mit der Abwesenheit Odysseus‘ umzugehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch wenn keine spezifischen Vorkenntnisse vom griechischen Stoff notwendig sind, eignet sich das Stück sehr gut für Schulklassen, die sich vor oder nach einem Vorstellungsbesuch mit Odysseus auseinandersetzen wollen. Arbeitsmaterial und Stoff über die griechische Heldensagen gibt es ja zuhauf, für weiterführende Einführungen oder Workshops steht die Vermittlung des Konzert Theater Bern zur Verfügung. Goerdens in alltäglicher Sprache geschriebenes Stück bietet einen frischen, lustigen und unvoreingenommenen Blick auf das Innenleben einer Familie, die mehr oder weniger gelöst vom abwesenden Vater ihr Leben gestaltet. Innerhalb des Stücks trifft man auf die Ähnlichen, denen Penelope in Erwartung auf den Rückkehrer begegnet. Das gestaltet sich allerdings anders als man denkt. So wird der Pizzabote schon mal in die Situation des Heimkehrenden verwickelt, wie in der folgenden, gekürzten Szene zu sehen ist:

 

Penelope: Bist du ein Bote?

Der Ähnliche: Sie hatten –

Penelope: Bist du für mich gekommen?

Der Ähnliche: Adresse stimmt.

Penelope: Dass du endlich kommst. Dass du endlich da bist!

Der Ähnliche: Ist viel los heute Abend.

Penelope: Und die Botschaft?

Der Ähnliche: Die Botschaft?

Penelope: Du bist der Bote. Der Bote bringt die Botschaft.

Der Ähnliche. Ich bringe die Bestellung. Sie hatten doch bestellt?

Penelope: Und das soll ich glauben? Dass der Bote nur ein Kellner ist?! So trittst du vor mich hin? Vor die Dürstende? Das wagst du?

Der Ähnliche: Moment mal! Ich bin vielleicht spät dran, kein Grund gleich –

Penelope: Spät dran?

Der Ähnliche: Die paar Minuten.

Penelope: Die Botschaft. Die Nachricht.

Was hast du mir zu sagen?

Sag mir ein Wort.

Sag mir doch ein Sterbenswörtchen.

Bitte

Der Ähnliche: Zweimal die vierzehn, einmal Cola light, sechsundzwanzigachtzig.“

(Auszug aus Elmar Goerdens Penelope)


Quellen:

Elmar Goerden: Penelope.

https://twitter.com/penelopeody

“Penelope Waiting” by Sassan Tabatabai

https://www.livingfloor.com/tuervorleger-welcome-home-beige-50×75-cm-waschbar/a-4469/

http://jadeafrican.com