Dass ihr vor unserm Anblick euch entsetzt?
Ist es die Löwenhaut, die euch erschreckt?
Du, mit dem Gürtel, sprich! Was fürchtest du?

Exotische Amazonen, griechische Helden, spektakuläre Kämpfe – Siege und Niederlagen, abenteuerlustige Botenberichte, brutale Gräueltaten,  Blutrausch und Kriegslist; Beschäftigt man sich mit Kleists Penthesilea springt einem ein eindrucksvoller Text entgegen, der vor fantasievollen Auswüchsen nur so strotzt.


Premiere am 14. September 2017, 19:30h
Vidmar 1
Altersempfehlung: 16 Jahre

Schulklassentarife: 15.–/Person (Weitere Infos)
Für Einführungen oder Nachgespräche: vermittlung@konzerttheaterbern.ch


Penthesilea, die Königin der Amazonen begibt sich aufs Schlachtfeld, um sich zur Erhaltung ihres Geschlechts Männer einzufangen. Als sie dem griechischen Helden Achilles, der für seine heldenhaften als auch grausamen Taten bekannt ist, begegnet, muss sie sich trotz der Zuneigung ihm gegenüber zum Kampf hingeben, da das Gesetz es so verlangt. Nachdem sie ihm unterliegt, wird sie vor der Scham der Niederlage bewahrt, indem Achilles sich darauf einlässt, Penthesilea zur Siegerin zu erklären. Die folgenden Umstände zwingen Achilles jedoch dazu, Penthesilea nicht als vermeintliche Siegerin, sondern Gefangene zu sehen. In einem weiteren Kampf will er sich von ihr besiegen lassen, um ihr folgen zu können. Da Penthesilea in seinen Absichten nur Verrat sieht, kommt es zu einem brutalen Showdown, der bittere Folgen hat.

Der neue Schauspieldirektor Cihan Inan, der bereits vergangene Spielzeit mit seinem an Festivals gefeierten Mondkreisläufer gemeinsam mit Jürg Halter sein sprachliches Feingefühl unter Beweis stellte, nähert sich diesem wortgewaltigen Werk, das in seiner zu Weilen exotischen Fantasie sogar Science-Fiction-artige Züge aufweist.

Den widersprüchlichen Spannungen der Hassliebe zwischen Achilles und Penthesilea wird in dieser Inszenierung des Klassikers von Heinrich von Kleist, der bereits selbst als junger Soldat Krieg erleben musste, nachgespürt. Zwischen verhaltener Zuneigung und ausbrechender Leidenschaft wurde Penthesilea als leidenschaftliche Frau beschrieben, wobei die Übertragung dieser antiken Grösse in einen moderneren Kontext eine reizvolle Aufgabe dieser Inszenierung ist. Die darin beschriebene Gewalt und Brutalität und deren Berichterstattung veranlasst auch dazu, sich mit der Abstumpfung von Gewalt durch gegenwärtige Medien auseinanderzusetzen. Auf dem Schlachtfeld erinnert man sich an die Taten, die fast zeitlupenartig ein grösseres Bild dieses Kriegschauplatzes entfalten. Dabei drängt sich eine Frage auf. Was ist erträglicher: Die Grausamkeit des Beschriebenen und Gedachten oder die konkrete Bebilderung dessen? Der von seinen Erfahrungen anscheinend selbst traumatisierte Kleist schuf eine Sprache, die auch in dieser Inszenierung eine entscheidende Rolle spielen wird. In aller Bekanntheit des Trauerspiels, das sich längst als Schullektüre und klassischer Kanon etabliert hat, findet Cihan Inan seinen ganz eigenen Ryhthmus damit, über deren szenische Herangehensweise sich im Nachinein bestimmt viel austauschen lässt. Daher empfehlen wir diese Produktionen, die zu den dramatischen Klassikern dieser Spielzeit gehören wird, besonders an Klassen auf oberer Gymnasialstufe.

DER HAUPTMANN:
Das Schlachtglück lockt, das wetterwendische,
Die Amazonen siegreich wieder vor.
Auf diesen Platz hier stürzen sie heran,
Und ihre Losung ist: Penthesilea!

ACHILLES:
Die Waffen mir herbei! Die Pferde vor!
Mit meinem Wagen rädern will ich sie!

 


Quellen:

Penthesilea: Heinrich von Kleist (Reclam 1963)

https://autodo.info/pages/r/real-spartan-helmet/

http://athenstimesonline.weebly.com/spartan-war.htmlhttp://www.kindersache.de/bereiche/schon-gewusst/artikel/krieg-amp-medien