Vor hundert Jahren lebte in Paris ein Geschwisterpaar, das mit seinen Tanzchoreografien die Ballettwelt erschütterte. Waslaw Nijinsky und seine Schwester Bronislawa Nijinska schufen Werke, die sowohl die Musikgeschichte als auch die Tanzgeschichte grundlegend beeinflussten. Die Choreografien entstanden zu musikalischen Werken zeitgenössischer Komponisten, die alle drei heute zu Meilensteinen der Musikgeschichte zählen: Igor Strawinskys Le sacre du printemps, Claude Debussys Prélude à l’après-midi d’un faune sowie Maurice Ravels Boléro. Konzert Theater Bern zeigt in dieser Spielzeit alle drei Werke in neuen Choreografien in einem Abend. Ein kurzweiliger Überblick über die moderne Musik- und Tanzgeschichte, der sich wunderbar für den Besuch mit einer Schulklasse eignet.


Premiere am 28. Oktober 2017
Stadttheater (Wegbeschreibung)
Schulklassentarife: 15.–/Person (Weitere Infos)
Für Einführungsworkshops: vermittlung@konzerttheaterbern.ch


Sacre

Die Geschichte um die Uraufführung von Strawinskys Le sacre du printemps in Nijinskys Choreografie ist bis heute eine berühmte Anekdote. So soll es während der Uraufführung im Théâtre des Champs-Élisées zu Ausrufen und Handgreiflichkeiten im Saal gekommen sein. Zu modern war die gewagte Musik Strawinskys und zu modern insbesondere auch das entsprechende Ballett zu der archaischen Handlung.

Das Stück beschreibt den vorchristlichen russischen Brauch des Frühlingsopfers: Ein ausgewähltes Mädchen wird dem Frühlingsgott geopfert, um diesen gütig zu stimmen. Die tänzerische Darstellung dieses Rituals ist bis heute eine Messlatte für Choreografinnen und Choreografen.

Das Choreografenduo Uri Ivgi und Johan Greben wird sich dieser Herausforderung stellen und das Werk mit der Tanzcompagnie von Konzert Theater Bern neu interpretieren.

Faun

Ebenso wie Strawinskys Le sacre du printemps wurde Debussys Prélude à l’après-midi d’un faune zu einem Schlüsselwerk der frühen Moderne. Und auch dieses Werk provozierte als Ballettmusik zu Nijinskys Choerografie bei der Uraufführung heftige Reaktionen. Das Stück handelt von einem Faun, der im Sommer während der heissesten Tageszeit auf einem Felsen liegt und Flöte spielt. Als plötzlich sieben Nymphen vorbeigehen, wird der Faun neugierig und versucht, sich eines dieser reizenden Geschöpfe zu schnappen, die er noch nie zuvor gesehen hat. Die Nymphen entwischen ihm, doch eine davon verliert auf der Flucht ihren Schleier, den sich der Faun schnappt, um sich damit zu vergnügen.

Sidi Larbi Cherkaoui – einer der erfolgreichsten Choreografien der heutigen Zeit – hat eine eigene Interpretation des rund zehnminütigen Werkes erarbeitet, die er nun der Tanzcompagnie von Konzert Theater Bern anvertraut. Es ist das erste Mal, dass eine Schweizer Compagnie eines seiner Werke aufführt.

 


Leo Rauth: Waslaw Nijinsky als Faun in L’après-midi d’un faune, 1912


 

Bolero

Abgerundet wird der Abend mit einer neuen Choreografie zu Maurice Ravels Boléro. Das Werk wird im Volksmund aufgrund seiner repetitiven und sich lautstärkemässig steigernden Anlage als „bekanntestes Orchestercrescendo der Musikgeschichte“ bezeichnet. Bronislawa Nijinska hat dazu 1928 in Paris eine Choreografie geschaffen, die aufgrund ihrer erotisch-lasziven Bewegungen das Publikum zugleich schockierte wie faszinierte.

Etienne Béchard, der in Bern in der vergangenen Spielzeit mit Post Anima einen grossen Erfolg verbuchen konnte, nimmt sich dem tranceartigen Stück an und entwickelt dazu eine eigene zeitgemässe Interpretation zu der so berührenden Musik des grossen Meisters.

Einführungsworkshop

Die Gelegenheit drei kurzweilige Meisterwerke der Musik- und Tanzgeschichte an einem Abend erleben zu können, sollte sich auch keine Schulklasse entgehen lassen. Gerne kommen wir vorgängig für einen kostenlosen Einführungsworkshop zu Ihnen in die Schule, damit Sie für dieses umwerfende Theatererlebnis garantiert gut vorbereitet sind und es in vollen Zügen geniessen können. Melden Sie sich bei Interesse unter vermittlung@konzerttheaterbern.ch. Wir freuen uns auf Sie!

Ausserdem haben Gruppen die Möglichkeit vor der Vorstellung einen Compagnieworkshop zu besuchen, in dem sie sich mit einem Mitglied der Tanzcompagnie tänzerisch dem Werk nähern.