Was macht eine gute Kritik aus? Und was passiert, wenn sich Studierende Vorstellungen anschauen und ihre Erfahrungen anschliessend verschriftlichen? Kritiken schreiben will gelernt sein und da sich die Studierenden viele Tanzvorstellungen anschauen, diskutieren und analysieren, bekommen sie hier die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu testen. Student*Innen des Fachs Tanzwissenschaft haben sich dieser Aufgabe gestellt und sind sich Post Anima und le corbusier anschauen gegangen. Was dabei herauskam, lesen wir in den gesammelten Kritiken.


2,26m und eine vermeintliche Sinnlichkeit  – Wenn Ecken und Kanten beginnen zu tanzen

von Sarah Katarina Gerber

Dass ein Tanzstück grosse Aufmerksamkeit erfordert, ist klar. Nicht etwa weil es für das Auge zu schnell gehen könnte oder für die Fantasie zu herausfordernd sein mag. Sondern weil vieles subtil und unaufdringlich geschehen kann. Wie zu Beginn der Aufführung des Tanzstücks „Le Corbusier“ von Yu-Min Yang in der Vidmarhalle I. Der Saal ist bereits dunkel, trotzdem lassen sich meine Sitznachbarinnen nicht von ihrem Gespräch abbringen. Unterschwellig ist schon etwas von der Bühne her zu vernehmen. Es klingt nach Wasser, nach Tropfen. Erst als dann das dämmerige Licht angeht und die erste Szene beleuchtet wird, stellt sich ihr Gespräch ein. Nur wer wirklich etwas entdecken möchte, sieht die vielen, aufeinandergestapelten Möbel im Hintergrund, die dicke Glaswand oder die blaue und die rote feine Linie, welche sich durch den Bühnenboden ziehen und hört immer wieder das Wasser.
Um etwas so Durchdachtes und Metrisches wie die Architektur von Le Corbusier in ein Tanzstück einzubringen ist abstraktes Denken, Fantasie und Recherche gefordert. Letztere ist etwas, was Yu-Min Yang und sein Team stark verfolgten und auch in die Choreographie einbrachten. So war Le Corbusier nicht nur ein innovativer Architekt oder ein guter Schwimmer, sondern auch ein versteckter Dichter und Poet. Mit seinen 12 Ensemble-Kolleg*innen von Konzert Theater Bern und auf Grundlagen des „Gedichts vom rechten Winkel“ erarbeitet Yu-Min Yang sein Bewegungsmaterial.
Yangs choreographischer Stil wird als „experimentell und körperlich“ beschrieben. Demnach sollte es aber bei „Le Corbusier“ in eine andere Richtung gehen. Das Statische und das Fundament der Architektur lag im Zentrum. Yang versuchte, durch ruhige Beine sowie schwarze Lederschuhe die Tanzenden in den Boden zu ziehen. So gibt es wenig Sprünge und keine losgelösten Hebefiguren, was ohnehin fast unmöglich ist bei einer fiktiven Deckenhöhe von 2,26m. Trotzdem bewegen sich die Akteure teils sehr schnell über die Bühne, verschwinden und erscheinen wieder. Kostümwechsel müssen rasch stattfinden und nur in auserlesenen Szenen nehmen sich zwei oder mehre Tanzende etwas länger Zeit im Mittelpunkt der Szene und der Bühne zu bleiben. Sei es mit Tango-Einlagen, Breakdance-Elementen oder zeitlich verschobenen Synchronszenen wie in der Finalszene von Step Up.
Die Tanzenden sind einander nahe, sind dem Boden nahe. Das Körperliche blitzt in den ruhigeren Sequenzen auf. Die Reaktionen auf das Gegenüber werden ausgekostet und sinnlich vollzogen. Wenn sich beispielsweise zwei Tänzer gegenüberliegen und sich mit den Füssen berühren und damit die Bewegung des Anderen nachverfolgen, geschieht dies langsam und mit voller Aufmerksamkeit. Vergleichsweise reizlos wirkt dagegen die Gruppenszene der fünf rotgekleideten Tänzerinnen.  Gestalten Olive Lopez und Milan Kampfer im Voraus noch eine herrlich spannungsvolle Szene zu zweit, verpufft die klirrende Atmosphäre mit dem Auftritt der weiteren „Amazonen“. Was stark und kämpferisch wirken soll, verliert sein Potential in den unnahbaren Bewegungen.
Räume gestalten sich durch das Licht. So werden rechteckige Formen auf den Bühnenboden geworfen, die Raum darstellen. Das Durchqueren dieser Räume scheint kein Problem zu sein. Nur manchmal wirkt es, als wäre es für einen einzelnen Tänzer nicht möglich daraus auszubrechen. Es geht vor allem um das Spiel mit der Enge dieser Räume. Etwas was Le Corbusier in seiner Architektur immer wieder als Kritik vorgehalten wurde. Die Räume wirken aber nie nur als Beengung, denn das Ausbrechen erscheint jederzeit möglich. Angst, in einem engen Raum gefangen zu sein kommt weder beim Tanzenden noch beim Zuschauer auf. Teils gilt die Eingrenzung für alle, manchmal nur für Auserlesene. Wenn sich gegen Ende Andrey Alves und Milan Kampfer miteinander in den Räumen bewegen, folgen sie aber nicht deren Grenzen. Sie übertreten die Lichtlinien, verschieben sich nicht gemeinsam mit dem Lichtraum und scheinen die Eingrenzung nicht wahrzunehmen. Irgendwie gerät dabei das ganze Konzept mit den Lichträumen ins Wanken. Ausser man liest es als Rebellion gegen die metrischen Vorgaben und Einschränkungen. Doch darauf folgt die Frage, ist das nun eine Kritik von Yu-Min Yang an Le Corbusier?
Zum Schluss wird durch das Licht eine Schachbrettbühne geschaffen und alle Tanzenden verschwinden. Das Licht konzentriert sich auf dasselbe Element wie zu Beginn. Und wieder, nur wer genau hinhört und aufmerksam ist, vernimmt das Plätschern des Wassers.

 

Foto: Philipp Zinniker

 


Schattenspiel der Technologie

von Anne-Sophie Jasker

Angekettet an einem Geschirr liegt ein Tänzer bewusstlos am Boden. Im Nebel der Dunkelheit wird er zu den Tönen von bedrohlichen und düsteren Klängen an den Seilen rausgeschleift. Die ersten Minuten des Stücks erinnern an eine Untergebenheit, einer verlorenen Kontrolle und Führung, die man an etwas Mächtigeres abgeben musste. An etwas, was nicht mehr von den Menschen kontrollierbar ist. Der lange Kampf scheint verloren.
Das Tanzstück Post Anima thematisiert den langwierigen Prozess der Verschmelzung des Menschen mit der Maschine. Angelehnt an die heutige Präsenz der Technologie im 21. Jahrhundert und dessen Fortschritt, kann man behaupten, dass der aktuelle Bezug ein großer Schwerpunkt des Stückes darstellt. Etienne Béchard, ein junger Choreograph von 30 Jahren, erschuf in Zusammenarbeit mit seinen Kollegen Johann Clapson und Sidonie Fossé, dieses Stück, welches eine grandiose Kombination von zeitgenössischem Tanz und mit eigens komponierter elektronischer Musik präsentiert. Als eine Art Weiterentwicklung der ursprünglichen Fassung für fünf Tänzer entsteht im Konzert Theater Bern eine Neuinterpretaion von Post „Anima“, womit der Choreograph sein Berner Debut feiert und mit seinem Werk vor einem ständig ausverkauftem Haus steht.
Wohl eine schwer zu greifende und darzustellende Thematik für das Publikum, welche Etienne Béchard mit einer Komposition aus Sinnlichkeit und motorischen Bewegungen seiner Tänzer versucht greifbar zu machen. Mit den individuellen entworfenen Kostümen stehen die Tänzer mit vermummten Gesichtern als Brei einer Masse vor dem Publikum und versuchen, mit anspruchsvollen, akrobatischen, teils komödiantischen Ensembleparts die Ernsthaftigkeit des Themas zu veranschaulichen.
Das hochklassige Ensemble, bestehend aus 15 Tänzerinnen und Tänzern, befindet sich eine Stunde lang auf einem erstklassigen Niveau.
So wechseln sie blitzartig zwischen sinnlich emotionsreichen und roboterähnlichen, gefühlslosen Elementen hin und her. Unterstützt wird der Tanz von einer aufwändigen Lichtinstellation, die vor allem mit den Schatten der Tänzer spielt. Symbolisch auffassbar für die Nichtigkeit des Menschen, welcher nur noch im Schatten seiner selbst verweilt. Verstärkt wird dieses Gefühl durch den Einsatz der modernen Technik. So wird einem Tänzer im Kampf um seine Freiheit aus der roboterregierenden Macht eine Maske, versehen mit einer Livekamera, gegen seinen Willen übergezogen. Für alle Zuschauer wird nun durch die Augen des Tänzers ein „Just in this moment“ Bühnenbild projiziert.
Geprägt ist diese Choreographie durch extrem schnelle und schwierige Bewegungen, welche die Tänzer an ihre Grenzen bringt. Bei den Ensemblestellen geht manchmal minimal die Synchronität verloren, welche aber durch die enorm tänzerische erbrachte Leistung kaum erwähnenswert ist.
Ein Ausgang der Entwicklung in der heutigen Realität ist ungewiss. In Etienne Béchards Post Anima gibt es aber eindeutig einen Sieger. Unter Einsatz des ergreifenden „Lacrimosa“ aus dem Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart versucht der Mensch ein letztes Mal seinen Ketten zu entfliehen, sich zu befreien von der Unterdrückung der Technologie und kämpft um den Wiedergewinn seiner Kontrolle über das eigene Leben. Entkräftet und sich seinem Schicksal ergebend fällt er zusammen und wird wie zu Beginn von jenen Ketten widerstandslos hinausgeschleift.
Aufgrund der erhöhten Nachfrage und des wahnsinnigen Erfolgs bietet das Konzert Theater Bern noch zwei weitere Zusatzvorstellungen am 30. Mai und 01. Juni an.
Post Anima ist ein Appell an die heutige Menschheit, vielleicht sogar ein Weckruf für die Zukunft, den man auf keinen Fall verpassen sollte

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Dominanzkampf in goldenem Licht

 von Manuel Zizzari

An einem noch kühlen Märzabend fasziniert die Tanzcompagnie von Konzert Theater Bern die Zuschauenden mit einem höchst zeitgenössischen Stück. Post Anima, oder aus dem Latein übersetzt ‚nach der Seele’ – eine Inszenierung, die viele Fragen und Erwartungen hervorruft, unter anderem auch aufgrund der voll belegten Aufführungen in der Vidmarhalle 1. Doch wird die Aufführung den Erwartungen tatsächlich gerecht?

Der französische Choreograph Etienne Béchard, ehemaliges Mitglied des Béjart-Balletts, kreiert die Choreographie in Brüssel erstmals 2014 mit sämtlichen Mitgliedern seiner Kompanie „Opinion Public“ und führt sie in den belgischen Städten Brüssel, Lommel und Waterloo auf. Jetzt erfährt sie im Ambiente des Berner Stadttheaters und mit dem dreifach so grossen Tanzensemble eine Anpassung sowie eine Weiterentwicklung. Sie wird also in ihrem erweiterten Gewand als Schweizer Erstaufführung vorgestellt.
Das Stück behandelt das kontroverse Verhältnis zwischen Mensch und Maschine in goldenem Bühnenlicht. Wer dominiert hier wen? Auf den ersten Blick mag die Maschine als stärker erscheinen: So treten die Tanzenden auf der Bühne erstmals als Rudel auf, bewegen sich gekonnt unmenschlich. An ihren Körpern sind dicke, elastische Bänder befestigt, mit denen sie sich den Anschein geben, sich nur mühevoll fortbewegen zu können. Ihre Identität verschwindet hinter dunklen Netzmasken. Passend zu der Atmosphäre konkurrieren sich musikalisch Vogelgezwitscher und ein mechanisches Pfeifen. In einer nächsten Szene beeindrucken der Tänzer Winston Ricardo Arnon und die Tänzerin Nozomi Matsuoka in einem Pas de Deux durch ihre Virtuosität. Die beiden heben und drehen einander abwechslungsweise – wie Zahnräder, die sich ein- und ausrenken – zu einer spannungsvoll vibrierenden Musik mit langgezogenen Tönen. Auch in diesem Fall beherrscht die Maschine die Tanzenden. Dem Motiv des Zahnrads als Symbol der Maschine, des Fortschritts und der Dynamik wird ein weiterer Vorgang gewidmet. Fünf Tanzende simulieren das Drehen eines Zahnrads, in dem sie sich mit ausgestreckten Armen gegenseitig an den Handgelenken festhalten und mit ihren Körpern einen Halbkreis im vertikalen Raum zeichnen. Dabei schliesst eine Person immer wieder zur Seite des Drehimpulses auf, damit die Drehbewegung auf die Wahrnehmung des Publikums wirkt. Mit inszenatorischem und lichttechnischem Geschick werden die Tanzenden von ihren Körpern entfremdet, der Mensch wird zu einem Teil der Maschine.
Doch dann wendet sich das Machtverhältnis. Plötzlich beginnt der Mensch ­– auch wenn es in diesem Fall der Choreograph ist und nicht die Tanzenden – sich der Maschine zu bedienen. Durch den Einsatz der vogelperspektivischen Videoprojektion an der Wand wird die Wahrnehmung eines Seiltanzes am Boden gespiegelt. Dreht sich ein Tänzer liegend um sich selbst, so haben die Zuschauenden das Gefühl, als ob der Tänzer im Video einen Salto vollzogen hätte. So wie anfänglich die Unterwerfung des Menschen gegenüber der Maschine bis an die ästhetische Grenze gezogen wird, so wird in der zweiten Hälfte der Aufführung in die andere Richtung experimentiert. Mit der in der Netzmaske eines Tänzers installierten Kamera wird die Ko-Präsenz von Post Anima mit weiteren Wahrnehmungskonventionen konfrontiert. So wird einerseits das Geschehen auf der Bühne rezipiert, andererseits auch die im Hintergrund projizierten Wahrnehmungen des Tänzers. Tanzende erscheinen plötzlich gross auf Leinwand, ihre Bewegungen nehmen trotz der fehlenden dritten Dimension einen enormen Raum ein. Auch in der ‚Mensch dominiert Maschine’-Version kommt es zu einer überraschenden Zuspitzung der Ästhetik: Der Akt des Zuschauens wird auf die Leinwand ausgestrahlt, als sich der Tänzer zum Publikum dreht und in die Masse schaut. Obwohl die Situation, bei der man sich selbst beim Zuschauen zuschauen muss, etwas unangenehm erscheinen kann, liegt genau darin Béchards gelungene Verbindung zwischen Inhalt und Darstellung. Er kreiert nicht nur atmosphärische, kraftvolle und dynamische Bilder, sondern füllt sie auch mit emotionalem, reflexivem und humorvollem Inhalt.
Die Inszenierung mag, unter anderem durch den Titel angeregt, als Zukunftsszenario gelesen werden. Post Anima: das Zeitalter der Technologie beeinflusst unsere Seele und führt somit zu einem Zeitalter, das über die Seele des Menschen hinausgeht, diese durch die Kraft der Invention dominiert. Und doch kann es nicht so einfach sein, denn nebst dieser Darstellung der Zukunft stellt Béchard bewegte und bewegende Emotionen, Bilder und Reflexionen in den Raum.

Post Anima. Foto: © Philipp Zinniker

 


‚Post Anima’ – ein präapokalyptisches Treiben

von Linda Bill

Als gewaltiges Epos ohne durchgehend erkennbaren Handlungsstrang präsentiert sich „Post Anima“ in den vergangenen Wochen in den Vidmarhallen Bern. Besonders markant stechen hierbei neben dem Arrangement der Begleitmusik, einer gelungenen Mischung aus Stücken verschiedener Genres, die hochkarätigen Tänzer und die präzise Choreographie hervor. Was steckt dahinter, worauf will der französische Choreograph Etienne Béchard in seinem endzeitlich anmutenden Stück hinaus?

Im Programmheft fällt der Begriff  ‚Cyborgs’ auf, welcher sich auf die von den Tänzern verkörperten technologisch-menschlichen Wesen bezieht. Damit soll auf das Verhältnis Mensch-Maschine verwiesen sein, welches heute noch wie vor mehr als 200 Jahren aktuell ist und sich immer mehr annähert beziehungsweise sich auf dem Wege des Verschmelzens befindet. Der ‚Post-‚ oder ‚Transhumanimus‘ wird im 21. Jahrhundert als Begriff dafür verwendet. Wie der Titel verrät, handelt es sich im Stück jedoch schon mehr um das Ergebnis der Verschmelzung –  ‚Post Anima’, also ‚Nach der Seele’. Doch so unmenschlich und empathielos begegnen sich die Tänzer im Stück nicht. Sie mögen zwar teilweise wie eine Armee futuristischer Insektenwesen wirken, zeigen sich dann wiederum im postapokalytischen ‚Pas de deux’ von einer überraschend empathischen, ja zärtlichen Seite. Werden wir hier Zeugen unserer nahe bevorstehenden Zukunft, überhaupt der Sehnsucht nach dem Menschlichen in uns, das uns langsam zu entrinnen scheint? Wenn ja, präsentiert sich ‚Post Anima’ als choreographierter Anhaltspunkt, uns daran erinnernd, wer wir sind und was uns als humane Wesen ausmacht.
Die Uniformierung und die ausbleibende Sprache und Lautlichkeit enthumanisieren die Tänzer in gewisser Weise. Sie wirken wie Amazonen, ohne Zivilisation. Jedoch gewinnen sie durch ihr zartes, animalisches Treiben unsere Empathie zurück, was uns an unsere evolutionären Vorfahren gemahnt. Überhaupt wirkt die Stimmung wie das Ende als auch der Anfang zugleich. Man mag diese Wesen, bewegen sie sich doch so grazil und energisch, in verschiedenen Gruppierungen und  Formationen. Ihr enganliegendes Kostüm, schmiegt sich exakt an ihre Körper an und lässt Bewegungsfreiheit zu, die voll ausgeschöpft wird. Durch akrobatische Einlagen erhält das Stück eine tänzerisch hochwertige Note, die an Komplexität und Fluidität kaum etwas zu wünschen übrig lässt. Selbst eine humoristische Szene mit circensischen Elementen lässt Béchard in seine Choreographie einfliessen und erfrischt damit das Publikum angesichts der sonst düsteren Ernsthaftigkeit des Stückes. Hierfür wird eine Seiltanz-Einlage mit einer Live-Projektion von oben an die dahinterliegende Wand eingeblendet. Damit wird das Verhältnis Mensch-Maschine erneut, jedoch paraphrasiert, eingefügt; ‚Augmented Reality‘, Realitätserweiterung durch elektronische Geräte. Multimedialität taucht als Teilaspekt im Stück immer wieder auf, wobei die verschiedenen sich widerholenden Elemente in einem charakteristischen Loop auftauchen. Sind die Wesen darin gefangen und wir befinden uns an der Schwelle des hineindriftens? Das mag sich auch der Choreograph selber fragen, als er sich in einem Interview folgendermassen äussert: „Was bringt die Zukunft? Wie wird das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine wohl sein? Ist der moderne Mensch dazu verdammt, sich dem Rhythmus der Maschine zu unterwerfen, die er selbst geschaffen hat?“ Was wenn ja, und wir uns dann nicht mehr an ein menschliches ,Vorher’ erinnern können? Béchards Stück entlässt uns bewegt in eine ungewisse Zukunft.

Post Anima. Foto: © Philipp Zinniker

 


Bildnachweis: Philipp Zinniker

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